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2012 rief ich einen Designpreis namens »Ehrenpreis« ins Leben.

Ist das nicht doppeltgemoppelt? fragen Sie sich vielleicht. »Ehrenpreis« … ist denn die Verleihung eines Preises nicht bereits eine Ehre? Eigentlich schon, wie etwa beim Pulitzer-Preis oder beim Nobelpreis, deren Preisträger nichts weiter tun müssen, als Großes zu leisten. Aber ein Preis, den man bezahlt, damit man ihn überhaupt erhalten kann, ist wohl eher als Geschäftsmodell zu verstehen. Und ein Staatspreis, den man bezahlen soll, ist eine Frechheit.

Hier in Deutschland hat sich über Jahrzehnte eingebürgert, an Designpreisen interessierte Gestalter erst zur Kasse zu bitten, um dann die meisten von ihnen gewissermaßen am Türsteher scheitern zu lassen. Einen Preis zu bezahlen, damit man einen Preis überhaupt erhalten kann, findet in der Designbranche in Deutschland scheinbar schon lang niemand mehr absurd.

Zusätzlich zu einer Vielzahl privatwirtschaftlich organisierter Designpreise gibt es den »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland«, der sich selbst ohne Ironie »Preis der Preise« nennt. Unsere Regierung ist sich nicht zu schade, hiermit die handelsüblichen Designpreise nachzuäffen: es handelt sich um einen Wettbewerb, die Teilnahme daran kostet Geld und es darf sich überhaupt nur »bewerben«, wer bereits bei anderen Designpreisen gewonnen hat, für die in der Regel bereits saftige Gebühren fällig waren. Kurioserweise sind bei diesem nationalen (!) Preis auch internationale Designer zugelassen. Zudem ist die Auffassung von »Design« reichlich willkürlich: Arbeiten können nur in den Kategorien Produkt- und Kommunikationsdesign eingereicht werden. Damit bleiben viele andere gestalterische Disziplinen außenvor.

Nun verlangt eigentlich niemand vom Staat, überhaupt einen expliziten Designpreis zu verleihen. Reicht nicht die altehrwürdige, ganz allgemeine staatliche Auszeichnung, das Bundesverdienstkreuz? Dieses erhielten in der Vergangenheit bereits mehrfach auch Gestalter. Im Unterschied zur weltweit wahrgenommenen Verleihung des britischen Verdienstordens durch die Queen an Gestalter wie Jonathan Ive oder Vivien Westwood kriegt aber von der Verleihung durch den deutschen Bundespräsidenten an Gestalter wie Kurt Weidemann oder Rido Busse kaum einer etwas mit.

Jedenfalls möchte unsere Regierung offenbar einen expliziten Designpreis verleihen. Sie, genauer: das Wirtschaftsministerium, noch genauer: eine vom Wirtschaftsministerium beauftragte Firma, verleiht den »Preis der Preise« höchst offiziell, läßt ihn sich aber an der Hintertür bezahlen. Das legt den Schluß nahe, daß unser Staat Gestaltung offensichtlich nicht als Kulturgut begreift, sondern maximal als Vehikel der Wirtschaft. Er möchte international mit etwas glänzen, das er selbst leider weder versteht noch respektiert.

Anfang 2012 hat das Wirtschaftsministerium seinen Preis nach eigenem Dafürhalten »substantiell« reformiert, nämlich dergestalt, daß das Ministerium zwar das bisherige Bußgeld für die Preisträger in Höhe von 2.900 Euro abschaffte, dafür aber die Gebühr um 167 Prozent von 210 auf 350 Euro erhöhte. Die mit der Organisation beauftragte Firma führt den Wettbewerb ab jetzt auf eigenes wirtschaftliches Risiko durch und das Wirtschaftsministerium beteiligt sich nur im Notfall mit einer geringen Summe. Außer einem einzelnen, dotierten neuen Preis für Nachwuchsdesigner gibt es nach wie vor keinerlei Preisgelder. Da in unserer Regierung offenbar einer nicht weiß, was der andere nicht weiß, schwangen sich zur gleichen Zeit Umweltministerium und Umweltbundesamt gemeinsam dazu auf, nach ähnlichem Muster einen davon unabhängigen weiteren staatlichen Designpreis zu vergeben, den »Bundespreis Ecodesign« – mit Gebühren bis zu 750 Euro. Kurzum: unserer Regierung war und ist ein Designpreis weder finanziell noch ideell viel wert. Das ist keine Ehre, sondern ein Affront.

Höchste Zeit also für einen wirklichen Ehrenpreis.

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